Essstörungen 1. Allgemeines zu Essstörungen
Seit Mitte des letzten
Jahrhunderts kann man in den westlichen Industriestaaten zunehmend mehr Essstörungen
beobachten. Während in den Jahrhunderten zuvor teilweise verheerende Hungersnöte
herrschten, die Millionen von Menschen das Leben kosteten, besteht etwa seit
1950 eine Situation des Nahrungsmittelüberflusses. Wir leben heute in Zeiten überfüllter
Supermärkte bei gleichzeitigem Rückgang des individuellen Energiebedarfs
aufgrund des sehr hohen Technisierungsgrades. Viele haben derzeit das Problem,
sich ständig reglementieren bzw. beschränken zu müssen, um nicht im Essensüberfluss
zu ersticken. Das Thema Ernährung hat in allen Medien ständige Präsens. Es
wird seit Jahren von kollektivem Diätverhalten gesprochen. Lebensmittel und
Schlankheitsmarkt offerieren Helfer und Light-Produkte, deren Wirkung oft
zweifelhaft ist, die jedoch riesige Umsätze am Markt verzeichnen.
Um besser verstehen zu können,
warum Essstörungen in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen haben, ist es
wichtig, sich der gesellschaftlichen Bedeutung von Ernährung bewusst zu sein.
Nahrung bedeutet in unseren gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen
nicht nur Lebensmittel und Essen. Die Nahrungsaufnahme hat auch seelische und
soziale Funktionen. Essen und Trinken dient dem Genuss, der Geselligkeit oder
demonstriert Familien- und Gruppenzusammenhalt.
2.
Einteilung der Essstörungen
Unter dem Begriff Essstörungen
werden in Deutschland im Wesentlichen drei Krankheitsbilder zugeordnet:
-
Anorexia
nervosa (Magersucht)
-
Bulimia
nervosa (Ess-Brech-Sucht)
-
Adipositas
(Fettsucht).
Obwohl bei allen drei deutschen
Bezeichnungen der Essstörungen der Suchtbegriff beinhaltet ist, gehören Störungen
auch nach internationalen Klassifikationen nicht eindeutig zu den Abhängigkeitserkrankungen.
Es handelt sich vielmehr um psychosomatische Erkrankungen unter erheblicher
Beteiligung sozialer Faktoren, worauf insbesondere die ungleiche Verteilung der
Störungsbilder in unterschiedlichen sozialen Schichten hinweist. 3.
Epidemiologie (Verbreitung) von Essstörungen
Über die Prävalenz (Vorkommen)
von Essstörungen gibt es erstaunlich wenig genaue Daten. Unabhängig von der
genauen Anzahl der aktuell Betroffenen ist eindeutig, dass das Risiko für Essstörungen
in der Bevölkerung keineswegs gleich verteilt ist. Vielmehr treten Essstörungen
bevorzugt bis nahezu ausschließlich in bestimmten Gruppen auf, wobei die Prävalenz
vor allem durch die Variable Geschlecht, Alter und soziale Schicht bestimmt ist.
Die Unterschiedlichkeit der
Verteilung der Essstörungen hängt unter anderem mit der gesellschaftlichen
Normierung von Frauenkörpern zusammen, die seit Jahren das Schlanksein zum
Idealtypus hoch stilisiert haben. Diesem Schlankheitsideal können sich
insbesondere Frauen mit verunsicherter Identität kaum entziehen.
Insgesamt stellen Essstörungen
bei den Betroffenen häufig den Versuch einer Problem- oder Konfliktlösung dar
mit – wenn auch unbewusst – nicht angemessenen Mitteln. Essstörungen sind
demzufolge nicht primär Ausdruck einer Pathologie, sondern einer Reaktion auf
Lebensumstände und Traumatisierungen, die das Individuum nicht anders zu
meistern vermag. 4. Therapie von
Essstörungen
Da unser Essverhalten sehr komplex
von unterschiedlichen Faktoren gesteuert wird, sind die Strategien der Ernährungsberatungen,
wenn sie sich ausnahmslos auf rational argumentative Information beschränken,
wenig wirksam. Das Essverhalten der Menschen steht im Spannungsverhältnis
zwischen kognitiven Prozessen, biologischer Regulation, gelernten
Verhaltenskopplungen und emotionalen Faktoren und Wirkungen. Eine wirkungsvolle
Therapie sollte an diesen vier Wirkfaktoren bei Essstörungen einsetzen.
So ist neben einer
psychotherapeutischen Behandlung - die einerseits das Essverhalten analysiert,
die zugehörigen emotionalen Prozesse, Hintergründe und soziale Lage der
Einzelnen berücksichtigt - Ernährungsberatung, Körpertherapie und Anleitung
zur regelmäßigen gesunden Bewegung notwendig.
Detaillierte Informationen zu den
einzelnen in Krankheitsbildern der Essstörungen und zum ganzheitlichen
Therapieansatz der Abteilung Psychosomatik/Psychotherapie der Wicker-Klinik Bad
Wildungen finden Sie unter folgenden Links:
-
Anorexia
nervosa (Magersucht)
-
Bulimia
nervosa (Ess-Brech-Sucht)
-
Adipositas
(Fettsucht). Wenn Sie weitere Informationen wünschen, können Sie uns auch gern anmailen oder anrufen.
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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